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+---
+categories:
+ - lyrik
+date: 2015-06-01
+title: Bleistift
+---
+
+Ich kann nicht zeichnen,
+Male nicht gern.
+Singen möcht ich auch nicht.
+
+Ich brauche keinen Taktstock.
+Wozu ein Messer?
+
+Worte sind meine Waffe,
+Die Tastatur ist mein Werkzeug.
+
+Mit Ausrufezeichen lege ich mein Feuer,
+Fragezeichen lösche ich gern.
+
+Durch meine Adern fließen Buchstaben,
+Mein Herz ist ein gefaltetes Blatt.
+
+Müsste ich mich beschreiben,
+Wäre ich ein Punkt.
+
+Ihr kennt mich nicht,
+Aber ich kenne euch -
+Ich bin ein Kind des Internets!
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+---
+categories:
+ - story
+date: 2015-06-01
+title: Engel
+---
+
+Ich stehe in einer grauen Menschenmenge. Alles ist dunkel. HILFE!
+Ich ertrinke, ein Teufel stößt mich, wo ist die Sonne, ich sehe sie nicht?
+Es ist hoffnungslos. Die Farbe weicht aus mir, ich gebe auf. Es gibt keine Hoffnung, hat es nie gegeben.
+
+Ziellos schwimme ich in der Masse umher, werde immer verlorener. Wie schön es wäre, auch grau zu sein!
+Hinten blitzt etwas. Was? Langsam schwimme ich darauf zu, doch schon ist es wieder weg.
+Schade.
+Nichts ist mir mehr geblieben. Ich bin wie die anderen.
+Da springt mir etwas an die Schulter - Was ist das?!
+Es blinkt ganz freundlich, aber schon ist es wieder unsichtbar.
+Ein Funke bleibt mir noch. Langsam, nicht bewegen, sonst kommt es nicht wieder. Es hat Angst, glaube ich.
+Und es ist neugierig. Ich auch.
+
+"Hey, wer bist du?"
+Das ist gar kein Blitzdings, das ist ein Engel! Der Engel ist weiblich und hat wunderschöne Haare.
+Langsam taste ich mich zurück, von Panik übermannt. Sie scheint verunsichert, huscht zwischen der grauen Masse hin und her.
+Dann schlägt ein Blitz in mich ein. "Hi." Der Engel lächelt freudestrahlend.
+"Warum leuchtest du so?"
+Stirnrunzelnd werde ich angesehen. "Leuchten? Wieso? Du glitzerst doch so nett. Hier ist alles grau und einsam. Nur du nicht."
+Ein wenig verwundert bin ich nun auch.
+
+Der Engel kommt mir näher. Wie fasziniert streicht er über mein Gesicht.
+Etwas verschreckt weiche ich zurück, da springt sie auch gleich hinter die nächste Ecke.
+Ein Strudel erfasst mich, Dunkelheit kommt von überall, ich falle!
+Wie in Trance sehe ich den Engel.
+"Gib nicht auf! Nicht aufgeben..."
+
+. . .
+
+Ein wirres Farbenspiel. Es ist wie auf Drogen, die Umgebung scheint in allen Formen gleichzeitig zu leuchten, Mond und Sonne wechseln sich ab.
+"Wo bin ich? Ich kenne diesen Ort."
+Es ist niemand zu sehen. Keine Menge, kein Engel. Meine Schritte verursachen Schlieren in der Umgebung. Ich muss anfangen, zu lachen, Freude durchströmt meinen Körper und ich fange an zu zucken.
+WACH AUF Glücklich wie noch nie laufe ich über das Gelände, es gibt nichts und niemanden, was mich aufhält.
+WACH AUFwar das? Risse spalten die ErdeUSST JETZT AUFWACHkommt mir vor, als würde sich der Himmel auf die Erde zubeweAUFWACHEN
+Die Farben verblassen, der Strudel kommt zurü-
+BAM!
+Irgend ein Idiot hat mir eine Ohrfeige verpasst. Wenn ich den erwische.
+
+. . .
+
+Wo bin ich? Da ist nirgendwo eine Menschenmenge und auch kein rosafarbener Mond.
+Aber auch kein Engel. Ein wenig enttäuscht bin ich schon.
+
+Aaaah, habe ich Kopfschmerzen. Aber woher? Stöhnend richte ich mich auf.
+Da ist eine Bank, die kenne ich. Habe ich von der gerade geträumt?
+Und was ist das? Dort steht ein blondes Mädchen, etwas auf Abstand.
+Es sieht mich schüchternd an. Wie lange steht es schon hier?
+"Du bist umgekippt und warst bewusstlos. Du hast geschrien."
+"Was?"
+"Es tut mir Leid, es tut mir so furchtbar Leid, ich wollte dich nicht schlagen, aber du hast so erbarmungslos gekeucht, und ich hatte Panik und du hast mich nicht gehört und -"
+Das Mädchen brach fast in Tränen aus. Irgendwie tat es mir Leid.
+"Ist schon ok. Danke."
+Behutsam fasste ich ihr auf die Schulter. Erschrocken wollte sie einen Schritt zurückmachen, sah mir mit offenen Mund in die Augen.
+Da sah ich das Blitzen. Es war der Engel aus meinen Träumen. Auch sie schien etwas zu erkennen, als sie mir in die Augen sah.
+Eine Minute standen wir so da. Keiner konnte den Blick vom anderen lösen.
+"Woher...?"
+"Es ist egal."
+
+Nebeneinander her gingen wir dem Sonnenuntergang entgegen.
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+---
+categories:
+ - artikel
+date: 2016-05-01
+title: Für diese Überschrift war keine Zeit
+---
+
+Die Facharbeit als Symbol der Entmenschlichung der nächsten Generation
+----------------------------------------------------------------------
+
+Was fängt mit "F" an und ersetzt die gesamte Freizeit durch Arbeit für die Schule?
+Nein, ich meine nicht unseren Schülersprecher.
+
+Die Facharbeit ist eine Art wissenschaftlicher Aufsatz, den Schüler\*innen der elften Klasse (in G8) innerhalb von sechs Wochen zu einem vorher festgelegten Thema schreiben müssen. Diese fünfzehnseitige Recherchearbeit wird bewertet, Thema und Bewertung wird auf dem Abiturzeugnis abgedruckt und die Arbeit ist daher von großer Wichtigkeit.
+
+Sie muss in der ohnehin schon knappen Freizeit einer/eines jeden Schülerin/Schülers entstehen. Nebenbei werden Klausuren und Tests geschrieben und es gibt Hausaufgaben wie zuvor. Auch ohne eine Facharbeit ist die Oberstufe hart, Zeit zum Lernen oder für Hausaufgaben ist oft nur am Wochenende gewesen. Nun werden Schüler\*innen noch stärker beansprucht.
+
+Warum existiert diese Folter, die abwechselnd Stress, Panik, Druck und schlechte Noten erzeugt? Der Sinn der Facharbeit ist es, den Schüler\*innen das wissenschaftliche Arbeiten näherzubringen und sie auf "richtige" Facharbeiten im Studium vorzubereiten. Über den Schreibzeitraum lernen Schüler\*innen, zu recherchieren, zu zitieren, und das intensive Beschäftigen mit einem bestimmten Thema.
+
+Per se ist das etwas gutes, allerdings zeigen die Rahmenbedingungen, dass hier die Oberstufe kaputtoptimiert worden ist: Plötzlich muss nichtvorhandene Zeit für eine wichtige Langzeitarbeit aufgewendet werden. Eines ist dabei zu beachten: Der Aufwand ist größer, als "nur" 15 Seiten Volltext. Der Text muss belegt sein, und gerade bei spannenden Themen ist die Gefahr, vom Thema gefesselt die eigentliche Arbeit zu vernachlässigen, groß. Einen Eigenanteil, wie etwa eigene Forschungen, mit einzubringen, scheint nahezu unmöglich.
+Klar leidet darunter der Unterricht beziehungsweise die Unterrichtsvorbereitung, und vor allem die Psyche gerade derjenigen Schüler\*innen, denen die Disziplin fehlt, die Arbeit schon weit vor dem Abgabetermin beendet zu haben. "Diese 6 Wochen sind die schwersten Wochen der gesamten Oberstufe" hat mir mein freundlicher Tutor bestätigt.
+
+Was also tun dagegen? Es entsteht, von außen betrachtet, der Eindruck, als hätte ein\*e Verantwortliche\*r den Zeitplan für die Oberstufe geschaffen, ein\*e zweite\*r die Inhalte, und als hätte dann ein\*e dritte\*r die geniale Idee gehabt, den Schüler\*innen einen auf ihr späteres Leben vorbereitenden Gefallen zu tun, dabei aber vergessen, mit besagten anderen Entitäten zu kollaborieren. Das Ergebnis ist eine Extrabelastung ohne ausgleichende Entlastung durch staatliche Vorgaben - die Lehrer\*innen selbst, das muss dazugesagt werden, bemühen sich redlich, soweit möglich zu entlasten, und dafür sind auch alle Schüler\*innen dankbar.
+Es wäre falsch, Panik zu verbreiten, Unmut und Frustration an den falschen Stellen abzulassen. Öffentliche Forderungen an die Politik, Demonstrationen, Wahlen oder Gespräche mit Verantwortlichen bringen dauerhaft weiter.
+
+Für uns ist es aber schon zu spät. Es gibt nur noch eins: Durchhalten um jeden Preis. Wir Schüler\*innen müssen einen kühlen Kopf bewahren, die Zeit noch besser einteilen und strukturiert in dieser Arbeitszeit voranschreiten. Das ist auch ein Teil der Erziehung durch die Schule und bereitet vor. Die Frage ist: Muss das sein? Soll das so sein? Sollen Schüler\*innen aus der Schule mitnehmen, dass ihr ganzes Leben aus zeitlichem Leistungsdruck besteht, und dass zwischenmenschliche Aktivitäten und Freude am Leben Zeitverschwendungen sind, die die eigene Arbeitseffizienz beeinträchtigen? Die Persönlichkeiten, die aus den 6 Wochen und den gesamten zwei, oder sogar acht/neun Jahren entstehen, könnten Maschinen werden, die auf Leistung ausgelegt sind, und sich nur noch mit anderen Menschen und Aktivitäten umgeben, wenn sie von diesen profitieren. Zum Glück passiert das nicht, weil sich die Schüler\*innen im Inneren dagegen wehren, sich nicht unterkriegen lassen. Die meisten. Größtenteils.
+
+Oder?
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+---
+categories:
+ - story
+date: 2015-06-01
+title: Ferien
+---
+
+Langsam geht die Sonne über dem Fachtrakt auf.
+Ein paar Lehrerautos rollen über den Parkplatz, Zigaretten werden angezündet, Schüler spielen an der Kastanie verstecken.
+Niemand wirkt gestresst, die Schüler grüßen die Lehrer und diese lächeln zurück.
+Der Vertretungsplan wird pünktlich wie jeden Tag ausgehängt. Ein bisschen ist es wie Lotto: Man hört Jubelrufe und enttäuschtes Aufstöhnen.
+Heute nicht. Niemand stöhnt, alle sind zufrieden. Vergnügt wie immer laufen Lehrer, Sekretärinnen und Schüler von einer Verwaltung zur nächsten.
+Sogar der Kopierer druckt heute etwas kräftiger. An der Schlange vor dem Kopierraum werden Witze erzählt und die Referendare spielen im Lehrerzimmer Karten.
+In der Caféteria prügelt sich niemand, kein Müll bleibt liegen.
+
+Was ist los? Wo ist die Hektik geblieben?
+
+Es ist einer der letzten Tage vor den Ferien. Es wäre nicht falsch, zu sagen, Fuchs und Gans gäben sich die Hand.
+Die erbittertsten Feinde und Feindinnen winken sich zu ohne Hintergedanken. Kein Lehrer muss mehr Druck ausüben, alle Arbeiten sind geschrieben.
+
+Irgendwann ist auch der letzte Tag vorbei. Was folgt, sind sechs Wochen: Sechs Wochen, bevor wieder das Unbekannte beginnt.
+Alles wird anders werden. Plötzlich sind alle älter, auch die Jüngsten. Ganz neue Dinge werden passieren, mit denen niemand rechnet.
+Alles wird anders, wie jedes Jahr.
+
+Oder?
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+---
+categories:
+ - story
+date: 2015-06-01
+title: Flash
+---
+
+Er rannte aus, nein *durch* die Tür.
+Die Gänge verschwammen vor seinen Augen, er sah nur noch sein Ziel.
+Da stand eine Schülermenge. Die Kleinen konnte er einfach überlaufen, aber die Älteren musste er zur Seite stoßen.
+Noch eine halbe Minute. Der Schweiß rann ihm von der Stirn in das Auge. Nicht blinzeln, dann siehst du nichts mehr.
+Verdammt, welches war die richtige Tür?
+Einer lief in ihn rein, prallte ab und blieb blutend auf der Erde liegen. So eine Missgeburt, sieh doch hin, wo du gehst.
+Er würde es nicht schaffen. Er müsste schneller sein. Aber WO? Die Zeit zerrann ihm zwischen den Fingern. Achtzehn Sekunden.
+Dahinten leuchtete etwas. War das das Signal? In seinem Rausch stürmte er auf die Tür zu, griff sich einen Mülleimer und rammte ihn gegen den Lehrer, der im Weg stand.
+Sprung, ducken, laufen. Das Messer hatte ihn verfehlt.
+Verdammt, wie ist er bloß in diese Lage gekommen?
+Sieben Sekunden, er war fast da. Ein kleines rotes Loch breitete sich auf der Tür aus und sog kleinere Gegenstände aus der Gegend ein.
+Hoffentlich war es dieses Mal das richtige! Acht Sekunden, jetzt hatten sie ihn im Visier.
+Da kam ihm eine Idee.
+Blitzschnell drehte er sich um, ließ sich fallen und rutschte mit dem Kopf zuerst in das Portal.
+Da die Drohnen nur seine Hirnschwingungen spürten, rissen sie ihm nicht die Beine aus.
+Auf der anderen Seite stemmte er sich schnaufend hoch. Er blutete leicht am Unterarm, aber das würde vorbeigehen.
+Völlig erschöpft holte er seine Sachen aus dem Rucksack, heute war er pünktlich.
+
+Der Matheunterricht konnte beginnen.
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+---
+categories:
+ - lyrik
+date: 2015-06-01
+title: Frei
+---
+
+Einatmen.
+
+Ausatmen.
+
+Einatmen.
+
+Ausatmen.
+
+Links.
+Rechts.
+Einatmen.
+Links.
+Rechts.
+Ausatmen.
+Links
+Rechts
+Einatmen
+Links
+Rechts
+Links,
+Rechts,
+Ausatmen,
+Links, Rechts, Links, Rechts, Linksrechtslinksrechtslinksrechts
+
+Atmen.
+
+Frei.
+
+Immer geradeaus.
+
+Schneller!
+
+Nie wieder zurück. Nur noch vorwärts!
+
+Wann hast Du zuletzt den Sonnenuntergang aus dem Gras beobachtet?
+Die Orange macht aus den Feldern Lavendel.
+Du kannst den Wind rauschen hören
+Die Vögel freuen sich ihrer Flügel
+Der Wind lässt die Blätter sanft aneinander streicheln.
+
+Diese Schönheit könnte kein Foto festhalten
+Kein Bild ließe sich malen
+Die Stimme der Natur würde fehlen.
+Ein Stift würde nur grausam die Ruhe durchstoßen
+Nicht einmal mein Text kann zeigen, was Du fühlst.
+
+Steh auf!
+Weiter!
+Lauf der Sonne hinterher!
+Spürst du den Horizont?
+Das Gras richtet sich hinter dir wieder auf.
+
+Ich sehe beim Laufen vielleicht komisch aus
+Kann sein, ich gehöre hier nicht her
+Aber dafür bin ich
+ -
+Frei.
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+---
+categories:
+ - story
+date: 2015-06-01
+title: Natur
+---
+
+Die Sonne geht auf. Die Berge und Bäume leuchten im Licht, das Farbenspiel ist bezaubernd.
+Ein leichter Wind streicht mir die Haare aus dem Gesicht.
+Vögel singen. Man hört keine Autos, keine Menschen, nichts, nur die Natur. Stille, was ist das schon.
+Ein Seufzen geht durch die Blätter, ein Eichhörnchen kraxelt den Stamm herauf -
+alles ist im Einklang.
+Da ist eine Blume! Sie ist noch ganz jung, hat noch keine Blüten. Eine Ameise krabbelt über die Blätter.
+Es ist zu schön, um es mit Worten zu beschreiben - ganz langsam schließe ich die Augen, atme tief ein und aus.
+Kurz darauf bin ich zurück in meinem Zimmer.
+Heute ist ein guter Tag.
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+---
+categories:
+ - story
+date: 2015-06-01
+title: Schule
+---
+
+Der Bus ist da, der Bus ist da.
+Alle rennen aus den Türen - wer zuletzt aussteigt, ist ein faules Ei!
+Vor uns steht, alt und erhaben, das Hauptgebäude. Wie viele Stunden unseres Lebens wir schon darin verbracht haben. Tagtäglich werden es mehr.
+Aus allen Himmelsrichtungen kommen Menschen in verschiedensten Farben und Formen. Abgeschlossene Räume werden mit Rucksäcken belagert, draußen gibt es einen Sitzstreik.
+Vor dem Lehrerzimmer ist eine Schlange bis nach draußen.
+Selten läuft jemand mit einem Kuchen in der Hand vorbei, nur um gierig von Personen aller Altersklasse bestarrt und besabbert zu werden. Nahrung ist zwar nicht knapp, aber nie in ausreichender Menge vorhanden.
+
+Dinge fliegen durch die Luft: Flieger, Papierkugeln, Bücher, Schüler. Das ist Unterricht! Zwischen Tafel und Lehrertisch verschanzt sich eine Person, deren Alter weit über dem Durchschnitt liegt.
+Die Musik, die in den hinteren Reihen gespielt wird, kommt vorne längst nicht mehr an.
+Kreide fängt tatsächlich an, zu schimmeln! Auch die erste Reihe ist voll bei der Sache. Oder ist das gar keine Kreide, sondern ein Pausenbrot?
+
+Dann die Explosion. Auf die Sekunde stürmen fast 600 Personen gleichzeitig von einem Raum in den nächsten oder nach draußen.
+Die Druckwelle verursacht schon längst keine Hörschäden in der Verwaltungsetage mehr. Dort werden Ohrenstöpsel umsonst ausgeteilt.
+Die Cafeteria wird überrannt, geplündert und gebrandschatzt. Was übrig bleibt, sind die Kaugummis von 1980.
+
+Die zweite Welle ähnelt einer Implosion, nur langsamer. Niemand hat es plötzlich noch eilig.
+Ein gewaltiger Stau entsteht. Wie Tropfen im Wind stemmen sich vereinzelte Schülergruppen gegen den Strom.
+Ab und zu schwimmt ein Lehrer vorbei und anschließend eine Aktentasche.
+Mass matters, hat das Newton nicht so gesagt? Oder war das Einstein?
+Fachwissen verteilt sich unter den Schülern ähnlich gut wie aufgegessene Pausenbrote.
+Vorne versucht jemand, etwas an die Wand zu projezieren. Oder tanzt der? Verzeihung, welches Fach haben wir gerade? Moment mal, das ist gar nicht meine Klasse!
+Die Sanduhr an der Wand muss kaputt sein. Seit Ewigkeiten ist keine Zeit mehr vergangen!
+
+Im Lehrerzimmer spürt man ein Vibrieren. Nein, es sind nicht die Schüler, die Lehrer! Unterrichtsschluss bedeutet das Ende vom Ende und einen Neuanfang.
+Die ersten, die aus den Räumen stürmen, sind alle Personen über 20. Mit annährend Lichtgeschwindigkeit entlädt sich der Rest an Energie in einem Sprint zum Auto.
+Wir befinden uns an der Bushaltestelle. Alle Lehrer sind schon nach Hause gefahren.
+Alle Lehrer? Nein! Ein von pubertierenden Schülern umringtes Lehrkraftpaar hört nicht auf, dem Gedrängel Widerstand zu leisten.
+Schließlich kommt der Bus von heute morgen. Dieses Mal bleiben die Türen sogar heile. Alle Schüler sind weg und die Busaufsicht hüpft glücklich auf den Heimweg. Die spinnen, die Lehrer.
+
+Das ist das Ende des Schultags.
+Doch Halt! Fast hätten wir sie vergessen:
+
+Reinigungskräfte und ein Hausmeister flitzen wie Ameisen durch die Räume. Im Sekundentakt geht die Anzahl an Geschlechtsteilen auf Tafeln weiter auf Null.
+Was wackelt, wird geschraubt, was auseinanderfällt, geklebt. Die Verwüstung dauert so lange wie die Wiederherstellung.
+
+Ein Tag ist vorüber. 180 folgen, jedes Jahr wieder.
+
+Manche Dinge ändern sich nie!
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+categories:
+ - lyrik
+date: 2015-06-01
+title: STURM!
+---
+
+Die dicke Luft löst sich langsam auf, lässt sich wieder atmen.
+Der Regen tropft erst langsam, dann schneller auf die Schulter und rollt perlend den Arm herab.
+Und dann der Schlag.
+Der Frust lässt die Erde erzittern.
+Unbändige Wut entlädt sich in einem riesigen Leuchtfeuer, der Hammer zerschlägt alles, was ihn trifft.
+Die Druckwelle verwirrt die Tropfen.
+Panisch stürzen sie sich in die Tiefe.
+Herrlich! Endlich wird es kühler.
+Das Chaos ist unbeschreiblich.
+Nun kommt der Wind. Er reißt alles mit sich, Äste und ganze Bäume fliegen durch die Luft.
+Ich stehe mittendrin und genieße die Verwirrung.
+Die Tropfen tun nicht weh. Die Blätter, die mir entgegenfliegen sind auch ganz angenehm auf der Haut.
+Das ist das Leben, das spüre ich.
+Einem Herzschlag gleich attackiert der Himmel die Erde.
+Schwarze Wolken rollen wie Panzer über den Wald, die Geschosse treffen nur die Größten und Stärksten, ich bin zu klein, zu unbedeutend.
+Es wird ruhiger.
+Die Munition ist erschöpft, die Erde hat wieder gesiegt.
+Menschen treten vor die Tür und stellen schimpfend Mülltonnen wieder auf.
+Plötzlich ist alles still. Es gibt keinen Regen mehr, nichts tropft auf meine Hand.
+
+Die Sonne geht auf. Der Sturm ist vorbei.
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+---
+categories:
+ - artikel
+date: 2015-10-01
+title: Und es hat Snap! gemacht
+---
+
+Der Schlüssel klappert. Quietschend öffnet sich die Tür. Zufrieden biepend fährt der Computer hoch, um mir anschließend eine dicke blaue Fehlermeldung anzuzeigen. Mist. Neustart. Glück gehabt, jetzt geht es. Wenigstens der Beamer funktioniert, leise seufzend zeigt er mir den Desktop des Computers. Noch 15 Minuten, dann geht es los. Wo habe ich bloß meinen USB-Stick hingepackt?
+
+
+Die Präsentation lässt sich wie geplant starten. Das Snap!-Logo leuchtet von der Wand entgegen. Da fällt es mir ein, siedend heiß - es gibt kein Internet! Wer hätte das heute morgen ahnen können, dass mein betreuender Lehrer mir entgegen kommt, um zu sagen, dass das erste Treffen der AG ohne Netzverbindung stattfinden muss? Ein Backup habe ich dabei, schnell ist es auf allen Rechner installiert, ich entspanne mich wieder, die ersten AG-Mitglieder kommen schon grüßend in den Raum; probeweise teste ich, ob das Backup funktioniert. Verdammt. Eine riesige Fehlermeldung lacht mich aus. Was jetzt - das Backup hätte ich *vorher* testen sollen.
+
+Jetzt sind alle da - auch mein Lehrer, der bereits mit der Anwesenheitsliste anfängt. Ich zähle 12 Teilnehmer, aber nur flüchtig (und falsch). Fieberhaft denke ich nach, durchsuche den USB-Stick (natürlich finde ich nichts), überprüfe den Empfang des Mobilfunknetzes (natürlich habe ich keinen). Erneut klicke ich mich durch die Innereien meines Sticks, entpacke alles, was ich finden kann, öffne jeden Ordner, um auch nur irgendwie meinen Notfallplan zu finden - bis dieser, versteckt tief in der Verzeichnisstruktur, mir die nötigen Dateien entgegenwirft. Schnell ausgepackt und geöffnet, lädt auch schon die gesuchte Seite - auch ohne Internetverbindung. Der Ärger über die schlechte Vorbereitung, der unzuverlässigen Infrastruktur und der mangelnden Kommunikation durch die Schulleitung macht Erleichterung platz. Endlich kann es los gehen!
+
+Die AG-Mitglieder, hauptsächlich aus der siebten und achten Klassenstufe - aber auch welche darüber - wuseln aufgeregt zu den Computern, die voller Freude sofort anfangen, die verwirrten Schüler mit Fehler- Warn- oder anderen Infomeldungen zu bombadieren, wie etwa "Ihr PC ist 500% schneller als beim letzten Start!", welche - nebenbei bemerkt - interessanterweise jeden Start angezeigt wird (sodass man eigentlich erwarten könnte, dass der Computer bereits mit Lichtgeschwindigkeit wieder abgestürzt sein sollte). Nachdem auch der letzte Computer die Not-Lösung zum Laufen gebracht hat, sehe ich auf die Uhr - so eine Zeitverschwendung...
+Meine anfangs aufgekommene Aufregung hatte sich in der Zwischenzeit etwas gelegt. Noch nicht vollständig, aber immerhin ein wenig entspannt begann ich mit meiner Präsentation.
+
+Wenig später wurden mir stolz die ersten Programme gezeigt. Plötzlich klopft es an der Tür, Nachzügler aus der sechsten Klassenstufe kommen. Dass es so viele werden hätte ich nicht gedacht. Mein Lehrer gibt ihnen im Nebenraum eine Einweisung, währendessen mache ich mit dem restlichen Kurs weiter. Nach insgesamt 90 Minuten, es ist jetzt Montag, der 22.09.2014 um 15.40, verabschiede ich meine Padawans - sie werden im Laufe des Halbjahres zur Elite des Snap!-Codes ausgebildet werden (jetzt bloß nicht überheblich werden). Mein Lehrer gratuliert mir zu der gelungenen Einführung. Rückblickend denke auch ich, dass es zwar besser hätte laufen können (Stichwort Internetverbindung), aber verglichen mit der Situation optimal war. Einen Schmierzettel voll mit Verbesserungsvorschlägen für die Entwicklung des Snap!-Programms mache ich mich auf den Heimweg.
+
+Ein paar Treffen und Tage später, inzwischen sind sogar noch neue Mitglieder dazugekommen, bekomme ich von meinem Lehrer die (nicht ganz so erfreuliche) Mitteilung, dass das nächste Treffen nur in der siebten Stunde stattfinden würde. Hä? Habe ich etwas falsch gemacht? Wollen die mich nicht mehr? Nein, in der achten Stunde fände ein Computerkurs für Rentner statt, sodass die AG zu diesem Zeitpunkt nicht den Raum belegen darf. Na toll. Immerhin kann ich mir jetzt vorstellen, wie sich ein begossener Pudel fühlt. Ein Pudel, dem man die Hundehütte wegnimmt. Jetzt ist noch eine Entscheidung zu fällen, fällt die AG ganz aus oder findet sie in der siebten Stunde statt? Spontan entscheide ich mich für einen Entfall.
+
+Etwas voreilig, wie mir später klar wird. Im letzten Moment, es ist Montagfrüh, entscheide ich mich um, erfahre allerdings, dass mein Lehrer die Nachricht bereits verbreitet hat. Egal, die entsprechenden Klassen sind schnell besucht und die AG in der siebten Stunde zusammengetrommelt. Alles verläuft nach Plan und nach der siebten Stunde verlassen wir den Computerraum. Was nun? Der Sek-I-Raum auf der obersten Etage hat die meisten erreichbaren Computer, also bewegen wir uns in diesen. Dummerweise stelle ich fest, dass nur einer der vier Computer arbeitswillig ist. Einer verlangt von mir ein Passwort, der nächste läuft bei jedem Hochfahren Amok und möchte unbedingt abstürzen und beim dritten funktioniert Snap! nicht richtig. So quält es sich durch die letzten 45 Minuten, in denen eigentlich wenig nach Plan lief, die dafür aber sehr entspannt waren.
+
+Heute ist der Tag vor dem letzten Treffen vor den Herbstferien. Arbeiten und Tests stapeln sich in der kommenden Woche, besonders Geschichte schreit nach Aufmerksamkeit und Arbeitswut. Auf der anderen Seite verführt die Vorbereitung für das morgige Treffen. Besonders ordentlich ist das Zimmer nicht. Nach einer kurzen Bedenkzeit ist die Entscheidung getroffen, die unaufgeräumten Sachen liegen auf einem Haufen in der Ecke (nach Farbe sortiert), Geschichte wurde mit einem flüchtigen Blick in die Aufzeichnungen erledigt.
+
+Morgen wird lustig.
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